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»Tosca« Deutsche Oper Berlin

21.03.2015 Die Deutsche Oper Berlin zelebriert Puccini und widmet sich dem Komponisten, mit einer Premiere und fünf Wiederaufnahmen. In diesem »Puccini-Zyklus« befindet sich die Tosca-Inszenierung von dem 1999 verstorbenen Regisseur Boleslaw Barlog. Nachdem an der Staatsoper im Schillertheater Tosca neu inszeniert wurde, ist Barlogs Abend damit die älteste Inszenierung in Berlin.

Für uns, als junge Opernliebhaber, haben diese Abende immer einen gewissen Reiz. Meistens sind es die Perlen des Repertoires, die Jahrzehnte überdauern. Des Weiteren bieten sie einen Einblick in das Handwerk vergangener Zeiten der Opernregie.

Stellt sich also nur noch die Frage, ob der alte Glanz der Inszenierung noch auf das Publikum überspringen kann. Das Interesse ist auf jeden Fall ungebrochen. Familien verleben ihren Wochenendausflug, Busse entladen sich schwarmweise und junge Menschen hoffen auf ein günstiges Ticket an der Abendkasse. Das Haus ist folglich gut gefüllt und bunt gemischt. Die Zusammensetzung macht den Abend lebendig, setzt aber eine gewisse Akklimatisierung und Wohlwollen routinierter Operngänger voraus. Nach dem ersten Applaus herrscht anschließend Ruhe und Vorfreude.

Barlogs Inszenierung, die 1987 von Götz Friedrich neueinstudiert wurde, legt wert auf eine werktreue Erzählung der Geschichte. Dabei bietet die Personenregie Witz und Spannung und verliert sich nicht zu sehr in großen bedeutungslosen Gestenhülsen.

Die Bühnenbilder von Filippo Sanjust verlegt die Oper an die im Werk festgeschriebene Orte. Das Spiel mit den Perspektiven ist dabei eine besondere Stärke seiner Arbeit. Des Weiteren ist die Detailverliebtheit Futter für die Augen. In jedem Bühnenbild befindet sich ein Vorder- und Hintergrund, was den Blick weitläufig schweifen lässt und Tiefe erzeugt. Ebenfalls bemerkenswert ist die dezente Gestaltung des Sonnenaufgangs über Rom im letzten Akt. Es ist eine Freude das langsame Spiel des Lichts und der Farben zu betrachten.

Die Titelpartie übernahm an diesem Abend Martina Serafin. Sie gibt die Tosca stark und versteht sich im Spiel mit der Kraft ihrer Stimme. Marco Berti singt den Mario Cavarandossi farbenreich und stimmgewaltig. Seine Stärke ist die emotionale Ausdeutung des Charakters. Carlos Alvarez  ist als Scarpia diabolisch, aber stets wohlklingend. Donald Runnicles legt wert auf die Pflege des Repertoire und übernahm höchstpersönlich das Dirigat der Familienvorstellung. Er steuert das Orchester der Deutschen Oper sehr differenziert und ergibt sich nicht nur den Rausch des Orchesterklangs. Spannend waren für uns neue Ideen, wie das Weglassen der Blechbläser in der Chorszene des Finale des 1. Aktes.

In der nächsten Spielzeit steht Barlogs Tosca wieder auf dem Spielplan der Deutschen Oper Berlin. Wir waren das erste Mal bei der 370. Vorstellung dabei und es wird sicher nicht der letzte Besuch gewesen sein.

Hinweis an Einsteiger: Wer Lust auf eine klassische Inszenierung hat, ist hier gut beraten. Da keine visuellen Interpretationen verwendet werden, ist es besonders einfach dem Handlungsstrang zu folgen. Wer noch etwas unsicher mit klassischer Musik ist, muss sich hingegen auf einige langatmige Szenen einstellen.