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Etappensieg

Eine Hürde für den gelungenen Einstieg in die Welt der Oper ist die Notwendigkeit einer angemessenen Vorbereitung. Diese Problematik wurde uns bei einem Vorstellungsbesuch von Verdis »Don Carlo« an der Staatsoper Hannover bewusst.

Eine Reihe hinter uns saß eine Gruppe gleichaltriger, junger Besucher, die voller Vorfreude auf ihren ersten Opernbesuch waren. Zur Pause war jedoch jede Euphorie verflogen und bis zum Ende der Oper hatte sich eine totale Resignation eingestellt. Das hastige Durchwischen digitaler Textwüsten auf dem Smartphone hatte in der Pause wohl nicht die nötige Erleuchtung gebracht. Wird diese Gruppe zeitnah wieder in die Oper kommen? Wahrscheinlich nicht.

Misslungene Erstkontakte haben wir mittlerweile schön öfter erlebt. Während gängige Formen der heutigen Unterhaltung selbsterklärend sind, muss in eine unbekannte Oper »investiert« werden. Dabei handelte es sich jedoch um ein Investment, dass sich um ein Vielfaches auszahlt. Stellt sich aber die Frage: Wie können Neueinsteiger ohne Hintergrundwissen mitgenommen werden?

Bei einer Busreise erklärt ein Reiseleiter nach und nach, was an den Augen der Fahrgäste vorbei zieht, statt vor der Fahrt die gesamte Reise zu erklären. Vielleicht wäre es eine Überlegung, den Zuschauer auf eine ähnliche Reise einzuladen. Statt einer gesamten Einführung vor einer gesamten Oper, könnte eine gestückelte Einführung erfolgen. Vor Beginn der Vorstellung wird nur so viel erzählt, dass der Besucher genügend weiß um bis zur nächsten Pause zu kommen.

Spannungsbögen könnten durch die Teileinführung aufrecht erhalten werden werden, indem nicht zuviel im Voraus erzählt wird. Dabei muss der Blick natürlich nicht nur nach vorne, sondern kann auch nach hinten gerichtet sein, indem offene Fragen über das bereits Geschehene diskutiert werden. So können dem Zuschauer Steine aus dem Weg geräumt werden. Vielleicht würden auch Diskussionen zwischen Menschen entstehen, die sonst niemals zu einem gemeinsamen Gespräch zusammen finden würden.

Da es bei Einführungen oft zu Platzproblemen kommt, könnte man so wie die Staatsoper Hamburg beim »Ring des Nibelungen« im Jahr 2013 handhaben. Statt die Einführung in einem kleinen Raum zu geben stand die Dramaturgin im Foyer und ihre Stimme wurde mittels eines Mikrofons auch in andere Räume übertragen. Die Einführung wurde so ebenfalls zum kollektiven Erlebnis.

Ein wahres Erklär-Genie ist übrigens Stefan Mickisch: